Die Spur des Granatapfels ...
und die Sammlung von Heinz E. Hirscher, Ausstellung in der Uni Hohenheim

Hohenheim. Der Granatapfel hat in der Mythologie und der Kunst seine Spur hinterlassen. Auch der Stuttgarter Künstler Heinz Hirseher ist fasziniert von der Paradiesfrucht. Seit über 5o Jahren sammelt er alles über die Granatäpfel. Die schönsten Stücke stellt nun die Uni Hohenheim aus.
Überall Granatäpfel. Überall das Symbol für Liebe, aber auch der Sünde. Schon Adam und Eva sollen von ihm gekostet haben, und auch Heinz Hirscher konnte der Versuchung nicht widerstehen. Der Granatapfel, ob aus Ton, Holz und Metall, ist seine Passions-Frucht. Von Menschenhand erschaffen, von dem 80-Jährigen sammlerleidenschaftlich geerntet. Seine Granatäpfel haben Museumsreife.
Es sind bildhafte Nachrichten aus dem Paradies, die in den Vitrinen des Museums zur Geschichte Hohenheims präsentiert werden. Und das Paradies, so scheint es, ist überall auf der Welt. So schmückt eine Stickerei des Granatapfels eine tibetische Satteldecke. Darüber steht ein eisernes jüdisches Weihrauchgefäß, ebenfalls in Form eines Granatapfels. Und selbst in China war das Rosengewächs bekannt, wie Teedosen beweisen.
Die chinesischen Malereien waren Vorbild für viele Verzierungen von Meißner Porzellan. Da man aber in Deutschland des 18. Jahrhunderts Granatäpfel nicht kannte, malten die Meißner die Form ab - und machten aus dem Granatapfel eine Zwiebel. Ein Anblick, der Hirscher zu Tränen rührt. Grund ist nicht die fehlerhafte Abbildung. Es ist die Erinnerung, die er mit dem Porzellan verbindet. Hat es ihm doch ein russischer Flüchtling geschenkt, dem er Unterschlupf gewährte. „Es war sein letztes Hab und Gut."
Sein erstes Stück, das sozusagen seine Sammelleidenschaft angefacht hat, findet sich allerdings nicht unter den Exponaten. Es hat nicht überlebt, das Zweiglein eines Granatapfelbaums, das der junge Kunststudent Hirseher 1954 auf einer Studienreise nach Sizilien gepflückt hat. Was ihn an der Pflanze fasziniert hat? „Es ist dieser rätselhafte Mythos, der mich einfach magisch anzieht."
Es ist ein humorig-sinnliches Sammelsurium, was sich dem Betrachter bietet. Und eigentlich nur für den Besitzer selbst von unschätzbarem Wert. So muten manche Exponate doch recht kitschig an, wie beispielsweise der mit Plastikperlen besetzte Granatapfelanhänger oder die goldene Handskulptur, deren Finger einen Apfel umschließen.
Diese bunte Vielzahl erschwerte es auch Ulrich Fellmeth, eine gewisse Ordnung in die Ausstellung zu bringen. So stellte der Professor und Leiter des geschichtlichen Museums Schautafeln auf, die die mythologische und geschichtliche Bedeutung des Apfels erklären. „Aber systematisch gesehen, müsste die Sammlung erst einmal archiviert werden." Irgendwann, so hofft Fellmeth, wird sich vielleicht eine Stiftung der Sammlung annehmen. Schade wäre es allemal, wenn Hirschers persönlicher Garten Eden mit den zahlreichen Früchten der Erkenntnis aufgelöst werden müsste. Reicht doch schon der Anblick, der den Betrachter erkennen lässt, dass dieser Sammlung etwas Besonderes ist.
INFO: Die Ausstellung ist bis zum 31. August 2007 zu sehen. Öffnungszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 17 Uhr im Spielhaus im Exotischen Garten der Uni Hohenheim. link Uni Hohenheim

Seit 50 Jahren sammelt der Künstler Heinz Hirscher Granatäpfel. „Es ist der Mythos, der mich anzieht", sagt der Stuttgarter.
Von Regine Warth Foto: Regine Warth
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